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Assyrtiko von Santorin: Die griechische Traube, die alles richtig macht

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Die Insel Santorin ist ein Weinberg, der nicht sein sollte. Kein Fluss, kein Grundwasser in erreichbarer Tiefe, kaum Regen: weniger als 400 Millimeter pro Jahr, hauptsächlich im Winter. Der Boden ist schwarze Vulkanasche, der Rest ein poröser Bimsstein, der Wasser nicht hält. Und trotzdem, oder vielleicht deswegen, produziert diese Insel einen der aufregendsten Weißweine der Welt.

Der Vulkanboden als Fundament

Santorin ist geologisch das Ergebnis eines der gewaltigsten Vulkanausbrüche der Menschheitsgeschichte. Um 1600 vor Christus kollabierte der Inselvulkan Thera in einer Eruption, die möglicherweise die minoische Zivilisation auf Kreta destabilisierte. Was zurückblieb, ist der hufeisenförmige Archipel, den wir heute kennen, und ein Boden aus Bimsstein und schwarzer Vulkanasche ohne Tonanteil.

Dieser Boden hat zwei Eigenschaften, die für den Weinbau entscheidend sind. Er ist nahezu wasserdurchlässig, was bedeutet, dass Regen sofort versickert und die Wurzeln der Rebe gezwungen sind, sehr tief nach Wasser zu suchen. Gleichzeitig ist Vulkanboden frei von der Reblaus (Phylloxera), jenem Schädling, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die europäischen Weinberge vernichtete. Auf Santorin wurden die Reben nie veredelt; viele der alten Stöcke haben einen direkten genetischen Anschluss an Rebstöcke aus der Antike.

Kouloura: Reben als Korb

Assyrtiko auf Santorin wird in einer traditionellen Erziehungsform angebaut, die nirgendwo sonst zu sehen ist: Kouloura, zu Deutsch „Korb“ oder „Kranz“. Die Rebe wird nicht an Drähte oder Pfähle gebunden, sondern wächst in einer flachen, kreisförmigen Spirale, die im Uhrzeigersinn aufgewickelt wird und am Boden aufliegt. Der Korb schützt die Trauben vor dem Meltemi, dem Wind, der im Sommer mit großer Regelmäßigkeit über die Kykladen bläst, und reduziert Wasserverlust durch Verdunstung.

Diese Erziehungsform bedeutet, dass Lese, Schnitt und Pflege ausschließlich von Hand erfolgen können. Maschinen kommen in einem Santorin-Weinberg nicht zum Einsatz. Die Erträge sind extrem niedrig, häufig unter 20 Hektoliter pro Hektar, was zu einer natürlichen Konzentration in der Beere führt.

Was Assyrtiko ausmacht

Assyrtiko als Sorte ist ungewöhnlich robust. Sie behält trotz hoher Sonneneinstrahlung und Hitze eine ausgeprägte Säurestruktur und unterscheidet sich darin von den meisten mediterranen Weißweinsorten, die in der Hitze Säure verlieren. Das Ergebnis ist ein Wein mit einer Spannung, die an kühle Klimazonen erinnert (an Chablis, Rías Baixas oder die Loire), obwohl er in einer der heißesten und trockensten Weinbauregionen Europas entsteht.

Der Duft junger Assyrtiko-Weine ist charakteristisch: Zitrusschale, Kalk, weißer Pfirsich, manchmal ein Hauch von Meeresbrise und Vulkanstein. Mit Alter entwickeln sich komplexere Noten wie Honig, Bienenwachs und Nougat, während die Säure erhalten bleibt. Gute Santoriner Assyrtiko altern problemlos zwanzig Jahre.

Gaia Wines und Sigalas: Die Referenzadressen

Gaia Wines, gegründet von Yiannis Paraskevopoulos und Leon Karatsalos, hat wesentlich zur internationalen Sichtbarkeit von Assyrtiko beigetragen. Ihr Thalassitis ist einer der bekanntesten griechischen Weine der Welt: trocken, salzig, mit enormer Mineralität und einer Frische, die selbst nach zehn Jahren nicht nachlässt. Paraskevopoulos, ausgebildeter Önologe, hat außerdem gezeigt, dass Assyrtiko auch in anderen griechischen Regionen wie dem Peloponnes oder Nordgriechenland außerordentliche Resultate erzielen kann, wenn man die Anbaubedingungen anpasst.

Paris Sigalas auf der Nordseite Santorins ist eine andere Philosophie. Sein Sigalas Assyrtiko, trocken, auf der Hefe ausgebaut und teils mit Holzreifung, hat eine andere Textur als der Gaia-Stil: voller, mit mehr Extrakt, weniger schneidend. Sigalas experimentiert auch mit dem traditionellen Vinsanto, dem süßen Ausbau aus getrockneten Assyrtiko-Trauben, der historisch das bekannteste Produkt der Insel war.

Vergleich mit Chablis

Der Vergleich mit Chablis ist nicht zufällig. Beide Weine sind Weißweine mit ausgeprägter Mineralsäure, relativer Aromastringenz im jungen Stadium und außergewöhnlichem Reifepotenzial. Beide wachsen auf Böden ohne Fruchtbarkeitsüberschuss: Der Kimmeridge-Kalk von Chablis und der Bimsstein von Santorin zwingen die Wurzeln zur Tiefenarbeit. Und beide profitieren von einem Stilelement, das sich nur schwer beschreiben lässt: eine salzige, mineral-jodig anmutende Komponente, die sie am Gaumen größer erscheinen lässt, als die Frucht allein es erlauben würde.

Was Assyrtiko von Chablis unterscheidet: mehr Körper und ein höheres Alkoholniveau (oft 13,5 bis 14,5 Prozent), eine exotischere Fruchtkomponente und eine gewisse Rustikalität, die durch den extremen Anbaukontext entsteht. Es ist kein Wein für jeden – aber wer es einmal verstanden hat, kehrt immer wieder zurück.

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Die Santorin-Assyrtikos von Gaia oder Sigalas führt derzeit keiner unserer Partnershops. Wer die Rebsorte zu Hause kennenlernen will, kann mit einem Assyrtiko aus Kreta beginnen. Vulkanböden und Kouloura-Körbe gibt es dort nicht, die hohe Säure der Sorte aber schon.

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